Leipzig 2015/2016

Glück auf VfLer,
Wie schon in der vorangegangenen Saison werden wir auch diesmal das Auswärtsspiel bei den Dosen boykottieren. Wir halten diese Praxis für die einzig konsequente, hatten wir doch unsere Gründe dafür bereits vor etwa anderthalb Jahren umfangreich geschildert. An diesen hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert, sodass wir im Groben au unsere – leicht überarbeitete – Stellungnahme von 2014 verweisen.

Diese ist ein wenig umfangreicher als üblich, doch wir wollen das Thema nicht mit den üblichen Phrasen abspeisen, sondern denken, dass eine differenzierte Betrachtung des Konstrukts RBL unabdingbar für das Ziehen vernünftiger praktischer Konsequenzen ist.
Fangen wir also einmal ganz vorne an und beleuchten das Konstrukt rund um RB mal etwas genauer. Red Bull ist als Marke eine der wohl bekanntesten auf der ganzen Welt. Werbeengagements in fast jeder Sportart machten die Firma aus Österreich über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bei einem so breiten Marketingkonzept im Sport darf natürlich der Volkssport Nummer 1 nicht fehlen. Der erste, und mit Sicherheit vor Leipzig der bekannteste, Coup der roten Bullen war die Übernahme des österreichischen Traditionsvereins Austria Salzburg am 6. April 2005. Auch eine gewaltige Protestwelle seitens der Fans konnte damals das Vorhaben von Dietrich Mateschitz und seinen Lakaien nicht aufhalten, sodass bis zum heutigen Tage alles, was man einst mit dem alten Aushängeschild der viertgrößten Stadt Österreichs verband, ausgestorben ist. Vereinsname,Vereinsfarbe,Stadionname und vieles mehr fielen dem Marketingkonzept zum Opfer. Neben dem Engagement in Österreich gründete Red Bull auch in Ghana, Brasilien oder den USA hauseigene Mannschaften, die den Charakter sogenannter „Farmteams“ haben.

Im Jahre 2009 wagte der Konzern dann den Sprung nach Deutschland. Damit wollte man endlich in einer der renommiertesten Fußballligen der Welt Fuß fassen. Dem zuvor ging ein erster Versuch im Jahre 2006, bei dem RB versuchte, den FC Sachsen Leipzig zu übernehmen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an Fanprotesten aus der Leutzscher Anhängerschaft. Aus diesen Fehlern gelernt, suchte man sich für seinen zweiten Versuch einen kleineren Verein in der Oberliga, um diesmal den Gegenwind deutlich geringer zu halten. Mit dem SSV Markranstädt, einem Verein aus der Leipziger Vorstadt, war ein idealer Verein gefunden. Vor allem da man Leipzig als guten Marketingstandort beibehalten wollte. Dass RB sein Geld ausgerechnet nach Leipzig pumpt, hat mit Sicherheit nichts damit zu tun,das dem Konzern irgendetwas an der Stadt, den Menschen oder dem Sport selber liegt. Ganz einfache Standortfaktoren wie bei der Errichtung einer x-beliebigen Firma spielen hier viel eher eine Rolle. So befand sich mit dem Zentralstadion schon ein bundesligataugliches Stadion in Leipzig, welches aber von keinem Verein genutzt wurde. Hinzu kam, dass die beiden etablierten Vereine der Stadt seit längerer Zeit mit Geld- und Imageproblemen zu kämpfen haben und Profifußball somit in mehr als weite Ferne gerückt war.

Nach dem Start 2009 in der Oberliga hat es das Brauseprodukt im Jahre 2014 in die 2. Bundesliga und damit in die DFL Zugehörigkeit geschafft. Vorherige Lippenbekenntnisse seitens DFL und DFB bei der Lizenzvergabe „genau hinzugucken“ und „die Werte des Fußballs zu wahren“ verpufften nach nur ein paar hohlen Phrasen.

So werden fortan auch die Profiligen von Red Bull nicht zuletzt durch eine wettbewerbsverzerrende Transferpolitik aufgemischt. Eines der besten Beispiele ist dabei der Österreicher Marcel Sabitzer. Dieser spielte zuvor beim Wiener Rekordmeister Rapid. Der Salzburger Standort der RB Fußballgruppe hatte Interesse am jungen Stürmer. Problematisch nur, im Vertrag das Talentes war eine Ausstiegsklausel von 2 Mil. Euro festgeschrieben. Diese galt jedoch nur für einen Transfer ins Ausland. Innerhalb der Liga wäre die Ablöse frei verhandelbar und nur mit Zustimmung von Rapid möglich gewesen. Kurzerhand kaufte RB Leipzig den Stürmer, um ihn direkt an den Schwesterverein auszuleihen. Dieses kann man klug nennen, jedoch ist es mehr eine klare Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Vereinen in Österreich. Auch der kürzlich durch die Medien gegangene Fall Massimo Bruno hat einen ähnlich faden Beigeschmack.

Auch die betriebene Vereinspolitik passt ins Gesamtkonzept. Durch einen extrem hohen Jahresbeitrag und verschiedene andere Hürden soll eine Mitgliedschaft für normale Fans unmöglich gemacht werden. Eine Mitbestimmung der Basis ist somit außer Kraft gesetzt. Zurzeit hat RB Leipzig keine 10 vollwertige Mitglieder im Verein, welche, wen wundert es noch, alle Mitarbeiter des Konzerns sind.
Auch in dieser Saison sind wir wieder mit dem „Verein“ aus Sachsen konfrontiert und es gilt eine Lösung zu finden, wie mit diesem oben beschrieben Produkt umgegangen werden kann bzw. muss.
Für uns heißt die einzige, nach unseren Werten vertretbare Lösung, diesen Kick zu boykottieren.

Wir sind nicht so blind und möchten an dieser Stelle Schwarz-Weiß Malerei bezüglich der tollen, ehrlichen Traditionsvereinen auf der einen und dem bösen, bösen Kommerzverein RBL auf der anderen Seite betreiben. Uns ist durchaus bewusst, dass Fußballvereine in ihrer profitorientierten Ausrichtung im kapitalistischen Kontext ebenso Konzerne sind wie Microsoft und Co. Es handelt sich hierbei also nicht um eine Kritik im systematischen Sinne. Wir sind uns im Klaren darüber, dass Red Bull der selben Logik folgt wie es andere Fußballvereine tun. Wer sich jedoch auf die Fahne schreibt, „gegen den modernen Fußball“ einzustehen, der muss diesen Slogan auch mit Leben füllen. Dies tun wir, indem wir im Hinblick auf das Tolerieren von Auswüchsen dieses vielzitierten „modernen Fußballs“ – was auch immer man von diesem auch zweifelhaften Ausdruck halten mag – eine rote Linie ziehen. Diese überschreitet das Leipziger Konstrukt. Auch anderswo gibt es bereits ekelhafte Symptome der Anwendung marktwirtschaftlicher und damit profitmaximierender Logik auf den Mikrokosmos Fußball (Kartenpreise, soziale Verdrängung, etc.), doch in Leipzig ist das Maß an Erträglichem schlicht voll. Auch der bisherige Umgang mit Kritikern vor Ort bestärkt uns darin, von Beginn an die Statistenrolle in diesem Schauspiel zu verweigern.

Wir möchten dabei noch einmal darauf hinweisen, dass sich dieser Protest nicht gegen die Mannschaft richtet (warum auch?), was wir ihr auch noch persönlich mitteilen werden.
Ebenso sehen wir uns mit Sicherheit nicht in der Position, irgendeinem VfL Fan vorzuschreiben, ob und wie er zu diesem Spiel anreist. Wir können nur unsere Sicht auf RB und die allgemeine Entwicklung in der Bundesliga offen legen und jeden herzlich dazu einladen, sich uns anzuschließen.

Daher werden wir wie im letzten Jahr auch nicht zu besagtem Spiel anreisen. Ein öffentliches Alternativprogramm können wir nach den letztjährigen Erfahrungen leider nicht in Aussicht stellen.

ULTRAS BOCHUM